Nina und die Kunst der Grimassen

Ein Addendum:

Nina stand vor dem Spiegel in ihrem Lieblings-Langarmshirt, schwarz und lässig – so ein Shirt, das irgendwie jeden Gesichtsausdruck zehn Prozent dramatischer wirken lässt. Heute ging es aber nicht um Outfits. Heute ging es um Gesichtsausdrücke. Alle. Jede einzelne Grimasse, die Nina aufsetzen konnte.

Sie begann neutral, ruhig, gelassen, geheimnisvoll. Dann plötzlich … Schock. Die Augen weit aufgerissen, der Mund halb offen, als hätte sie gerade entdeckt, dass ihr Handy nur noch 1 % Akku hatte und kein Ladekabel in Sicht war. Der Schockblick war so überzeugend, dass selbst sie ihn einen Moment lang glaubte und in ihren Taschen nachsah.

Als Nächstes kam der verrückte Gesichtsausdruck. Das war Ninas Spezialität. Sie schielte, blähte die Wangen auf, legte den Kopf schief und verzog das Gesicht zu einer Grimasse, als hätte ihr Gehirn kurz eine Kaffeepause eingelegt. Wenn Albernheit eine Sportart wäre, hätte dieser Gesichtsausdruck Gold gewonnen. Die schwarzen Ärmel machten ihn irgendwie noch komischer, als würde das Outfit sagen: „Ich sehe ernst aus, bin es aber ganz und gar nicht.“

Und dann: Wechsel! Fröhlich. Ein strahlendes, ehrliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, ihre Augen funkelten, als hätte sie gerade den besten Witz des Tages gehört oder Geld in einer alten Jackentasche gefunden. Dieses Lächeln ließ Räume heller und Menschen willkommen fühlen. Unkompliziert, warmherzig und absolut ansteckend.

Aber Nina war noch nicht fertig. Jetzt kam die Entschlossenheit.

Ihre Haltung wurde aufrecht. Ihre Augen verengten sich leicht, um Entschlossenheit zu verraten. Die Lippen pressten sich zu einem selbstsicheren Grinsen zusammen, das sagte: „Ich weiß genau, was ich tue.“ Plötzlich verwandelte sich das schwarze Langarmshirt in ein Power-Outfit. Das war der Gesichtsausdruck, den man macht, bevor man eine Diskussion gewinnt, ein Meeting dominiert oder dramatisch die Haare in Zeitlupe zurückwirft (Wind optional).

Ein Gesichtsausdruck ging fließend in den nächsten über wie in einem Ein-Frau-Theaterstück. Überrascht. Verrückt. Glücklich. Entschlossen. Jeder Gesichtsausdruck erzählte eine kleine Geschichte, und Nina spielte jede Rolle mit Hingabe und Humor.

Am Ende brach sie in schallendes Gelächter aus und verließ völlig ihre Rolle. Wie sich herausstellte, lag der wahre Zauber nicht in einem bestimmten Gesichtsausdruck, sondern in der Freude daran, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Und ehrlich gesagt, das ist vielleicht Ninas bester Look überhaupt. Ende des Addendum!

 

 

 

 

 

 

 

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